EIN TIROLER MALER DER VERSCHOLLENEN GENERATION

Museen, die das Werk eines einzigen Künstlers vorstellen, wie z.B. das Van Gogh Museum in Amsterdam gibt es in Österreich wenige. Umso erstaunlicher, dass gerade kleine Orte wie Bleiburg in Kärnten mit dem Werner Berg Museum oder in Tirol, der Ort Steinach am Brenner ein Museum besitzen, das einem einzigen Künstler gewidmet ist. Beide sind Vertreter des Expressiven Realismus

Alfons Graber, Die Auswanderer, 1924

Die Auswanderer, 1924

Dies erscheint umso bemerkenswerter, da die wissenschaftliche Aufarbeitung der um 1900 geborenen Künstlergeneration erst in den 1980er Jahren begann. Damals setzten Kunsthistoriker sich erstmals mit den Werken von Ernst Nepo, Albert Birkle, Leo Sebstian Humer u.a. auseinander − lauter Namen, die zwar in den Museumssammlungen vertreten sind, in der Bevölkerung aber kaum Bekanntheitsgrad genießen.

Alfons Graber ist einer von ihnen. Ebenso wie seine Zeitgenossen erlebte er zwei Weltkriege, die in seinem Werk ihre Spuren hinterließen. Die Künstler dieser Generation verarbeiteten ihre traumatischen Erfahrungen entweder durch bewusste Auseinandersetzung mit den Themen Krieg, Veteranen, Angst, Elend oder indem sie sich auf den Menschen selbst oder auf die menschliche (im Gegensatz zur göttlichen) Natur von Jesus Christus konzentrierten. Insbesondere die Kreuzigung wurde zur Metapher, in der sich der leidende Mensch im Leiden von Jesus Christus wieder fand. Vertreter davon, neben Graber, sind u.a. Piffrader und Schnegg.

Alfons Graber, Große Kreuzigung, 50er Jahre

Große Kreuzigung, 50er Jahre

Grabers "Große Kreuzigung", eines der Hauptwerke des Künstlers, wirkt fast wie ein Schlachtfeld mit zahllosen Verwundeten, deren Leiber im Chaos des Geschehens drunter und drüber geraten sind. Aus dem Gewühl der Verschreckten, geistig Entrückten, ohnmächtig Zusammengebrochenen erhebt sich der Hügel mit den drei Kreuzen vor dem Hintergrund einer gesichtslosen Menschenmasse.

Text von Dr. Claudia-Doris Gadner